Mit welchen Methoden Sprache manipuliert wird, wie das wirkt und wie Medien und Gesellschaft damit umgehen können,
diskutierten die Journalistin Ulrike Miller, der außenpolitische Korrespondent der ZEIT, Jörg Lau, und Dr. Heike Winkel, Fachreferentin der Bundeszentrale für politische Bildung auf dem Zukunftsforum Leipzig.
Den Einstieg in die Diskussion machte Ulrike Miller, in dem sie anhand dreier biografischer Beispiele Formen von sprachlicher Gewalt aufzeigte.
Sie stellte Textzitate des Literaturwissenschaftlers und Politikers Victor Klemperer vor, unter anderem aus seinem Buch Lingua Tertii Imperii: Sprache des Dritten Reiches, und setzte sich mit dem Vernichtungsausdruck manipulativer Begriffe auseinander.
Miller leitete daraus ein Gegenmittel her: Sprecher und Sprecherinnen zu stellen, in dem die Manipulationen aufgedeckt werden.
Der Journalist Jörg Lau beschrieb, wie die Sprache der Außenpolitik mit der wir über sie diskutieren, mit der wir über sie streiten, sehr zweifelhaft geworden sei. Man rede nicht nur aneinander, sondern auch an der weltpolitischen Wirklichkeit vorbei.
So sei z.B. Frieden ein Kampfbegriff geworden, hinter dem sich unvereinbare außenpolitische Wertvorstellungen verbergen.
Frieden ist ein Kampfbegriff geworden, hinter dem sich unvereinbare außenpolitische Wertvorstellungen verbergen.
Jörg Lau, Journalist Die ZEIT
Ein anderes Wort das kreiert worden sei, um Zusammenhänge zu verschleiern, sei „Modernisierungspartnerschaft“, um eine Zusammenarbeit mit Russland zu begründen.
Lau fragte dabei, ob deutschen Diplomaten verstanden hätten, was in Russland vorging und sieht Deutschland seit 2022 an einer Art Nullpunkt.
Phrasen und Worthülsen, die unseren Diskurs bestimmen, wiesen laut Lau im Moment den Weg zu einem Kurs, die Ukraine an den Verhandlungstisch und zu Kompromissen zu drängen nach dem Motto „die sollen jetzt mal fertig werden“, „damit wir irgendwann unsere Ruhe haben“.
Jörg Lau beklagte, oft werde nicht einmal klar benannt , dass Russland der Aggressor sei.
Wahrnehmung vs. Realität
Dr. Heike Winkel erläuterte, dass linguistische Untersuchungen ergiebig seien zur Entschlüsselung von Weltbilder-Strategien.
Es gebe dabei nicht Wahrnehmung vs. Realität, es gebe tatsächlich nur Wahrnehmung. Manipulation würde bei der Veränderung dieser Vorstellung ansetzen.
Neben Kontrolle seie dabei Performativität wesentlich – als handeln, genauer: Sprach-handeln.
Bei der Betrachtung von Grenzüberschreitungen und der vorgeblichen Abwehr vermeintlichen Kontrolle solle man sich das Zusammenspiel von Manipulation, Kontrolle und Sprachhandlung vergleichend in Deutschland und Russland anschauen. Dort gäbe es tatsächlich die Situation einer „sprachlichen Diktatur“.
Im Anschluss entwickelte sich eine lebhafte Diskussion mit Teilnehmern aus dem Publikum, unter anderem über den Umgang mit Manipulation durch staatliche Propaganda, wie Russland sie aktuell einsetzt.
Website über Ulrike Miller: https://mille1000.de/
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